Suchtpotenzial sozialer Medien
Elternabend zum Thema „Handy, Instagram, Zocken und Co, – Medien in der Familie“
Im Rahmen eines Elternabends zum Thema „Handy, Instagram, Zocken und Co, – Medien in der Familie“ erläuterte Jürgen Schalz, u.a. Referent im Auftrag des Pädagogischen Landesinstituts, dass die größte Gefahr für jüngere Schülerinnen und Schüler vor allem das eigene Handy sei, denn laut des „Jugend-Internet-Monitors“ von 2025 nutzten 87% der befragten jüngeren Jugendlichen mittels ihres Handys intensiv und regelmäßig WhatsApp, 80% YouTube und 73% Instagram, 74 % Snapchat, 72% TikTok und weitere Plattformen wie „Discord“ (eine Kommunikationsplattform für Spieler) oder „Roblox“ (eine Spieleplattform, auf der Spieler eine riesige Auswahl an Minispielen vorfänden und auch eigene Spiele einstellen könnten). Vor allem auch die zuletzt genannten Spieleplattformen seien für Kinder und Jugendliche sehr problematisch, weil dort keine (!) Überwachung der Inhalte erfolge, erhöhte Risiken für Cybermobbing bestünden und auch Monetarisierungsmechanismen (z. B durch Robux) eingebaut seien. Gerade hier erfolge oft die für Kinder riskante Kontaktaufnahme von unbekannten Erwachsenen mit Kindern.
Gründe für das Gefahrenpotenzial von Handys seien die oft mangelnde oder schlichtweg nicht vorhandene Medienkompetenz bei Schülern und deren Eltern, die ihren Kindern aufgrund unzureichender Sachkenntnis und zudem aus Desinteresse einen unbegrenzten und unkontrollierten Zugang zu gerade für jüngere Schüler*innen oft belastenden Inhalten auf Instagram, TikTok und YouTube ermöglichten und technisch mögliche Jugendschutzmaßnahmen nicht konsequent einsetzten oder umsetzten.
Riskantes Medienverhalten in jungen Jahren hätten weitreichende Auswirkungen auf das Selbstbild der jugendlichen User: Traditionelle und veraltete Rollenbilder wie „Wenn ich groß bin, muss ich stark [und schön] sein“, riskante Schönheitsvorstellungen („Wenn ich groß bin, will ich dünn sein.“), riskantes Kaufverhalten („Wenn ich groß bin, kauf ich mich glücklich.“) und mangelndes Bewusstsein über die Selbstpräsentation im Netz („Wenn ich groß bin, kann man mein ganzen Leben auf YouTube sehen.“) prägten und wirkten ein Leben lang.
Handfeste Gefahren, die der Referent erklärte und erläuterte, drohten durch die unbedenkliche Preisgabe privater Daten/Informationen und der sich daraus ergebenden Folgen wie Cybermobbing, Cybergrooming, Sexting, Betrug und Abzocke. Aber auch die Verherrlichung von Gewalt und Hass, die Verrohung von Sprache, das „Sich-bewegen in Filter-Bubbles“, das mögliche Rezipieren pornografischer Inhalte … bliebe nicht ohne Auswirkungen.
Welche Haltungen und Konsequenzen sollten sich daraus laut Jürgen Schalz ergeben:
„Grundschulkinder brauch[t]en kein Smartphone!“, denn unbeschränkter Internetzugang sei gefährlich und überfordere die Kinder. Das Handy diene zudem hauptsächlich zum Videoschauen und Spielen. Zum Telefonieren reiche z.B. ein Nokia 2660, welches in Skandinavien, auch unter Jugendlichen, wieder im Trend sei.
Eltern müssten selbst ein gutes Vorbild sein: Bei gemeinsamen Aktivitäten in der Familie, beim Essen etwa, sollten alle das Handy zur Seite legen. Eltern müssten sich zudem selbst Medienkompetenz erwerben und ihre Kinder über Gefahren aufklären und sensibilisieren.
Grundlegend müssten Eltern ihren Kindern Folgendes vermitteln:
„Erst LESEN – Gehirn einschalten – dann KLICKEN.“
„Passwörter sind geheim.“
„Daten sparsam und kontrolliert preisgeben“
„Das Internet vergisst nichts.“
Eltern müssten zudem den großen Stellenwert von „technisch-organisatorischen Maßnahmen“ sehen und nutzen. Konkret heiße das:
„das Handy/ den Computer [der Kinder] gemeinsam einrichten & Sicherheitseinstellungen vornehmen“
einen „separaten Account für das Kind einrichten (nicht den Eltern-Account gemeinsam nutzen)
„geeignete Apps gemeinsam auswählen und Profileinstellungen anpassen“
„bei Android-Geräten im PlayStore die Einstellung „unbekannte Quellen“ deaktivieren“
die „Drittanbietersperre beim Provider einrichten“
„[Nutzungs]regeln [gemeinsam] festlegen, Kindersicherungen nutzen“
die „[regelmäßige] Kontrolle & Überprüfung“ der Maßnahmen“
Vor allem auch: Ein Kennwort zur Kommunikation zwischen Eltern und Kindern vereinbaren, um etwa dem immer noch bei Eltern funktionierenden „Enkeltrick“ zuvorzukommen.
Empfehlenswert sei, so Jürgen Schalz, zudem der Dokumentarfilm „Das Dilemma mit den sozialen Medien“, der die beschriebenen Zusammenhänge gut verdeutliche.
Herrn Schalz herzlichen Dank fürs Kommen und für den sehr informativen und sehr gelungenen Vortrag!
Text und Fotos: SCU

