Élysée-Vertrag 1963

Multimediale Zeitreise in die deutsch-französische Geschichte für die Schülerinnen und Schüler der MSS 11 und 12

Im Rahmen einer multimedialen Präsentation vermittelte Ingo Espenschied von „DOKULIVE“ einen Längsschnitt durch die deutsch-französische Geschichte – die oft belastet und zeitweise feindselig war – angefangen bei Karl dem Großen, der zentralen Identifikationsfigur beider Länder, über Ludwig XIV (Pfälzischer Erbfolgekrieg mit der Verwüstung der Pfalz), hin zur Besetzung des linken Rheinufers 1792 durch Napoleonische Besatzungstruppen, dem deutsch-französischen Blitzkrieg (1870/71) mit der die Franzosen demütigenden Gründung des Deutschen Kaiserreichs in Versailles, den beiden Weltkriegen bis hin zur deutsch-französischen Aussöhnung und Freundschaft heute, die entscheidend durch die Unterzeichnung des Élysée-Vertrags am 22. Januar 1963 begründet und gefestigt wurde. 

Im Rahmen dieses „Jahrhundertvertrags“ verpflichteten sich der französische Präsident Charles de Gaulle, ab 1958 französischer Ministerpräsident, und Konrad Adenauer, ab 1949 erster Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland, zur engen Zusammenarbeit zwischen Frankreich und Deutschland.

Einem Wunder gleich verstanden sich die beiden Staatsmänner, deren Lebenswege trotz mancher Gemeinsamkeiten sehr unterschiedlich verliefen, Jahre zuvor bei einem erstmaligen Treffen am 14. September 1958 auf dem Landsitz von Charles de Gaulle in Colombey-les-Deux Eglises in bewusst gewählter privater Atmosphäre auf Anhieb gut. 

Die daraus folgende vertrauensvolle fünfjährige Zusammenarbeit der beiden Männer (und deren Kabinette), die u.a. im November 1958 in Bad Kreuznach zu einem weiteren Treffen Charles de Gaulles  – während seiner ersten Auslandsreise –  mit Konrad Adenauer führte, ermöglichte die Unterzeichnung des für die deutsch-französische Freundschaft so wichtigen völkerrechtlich bindenden Élysée-Vertrags, der u.a. eine Abstimmung beider Länder in Fragen der Außenpolitik und regelmäßige Regierungskonsultationen vorsieht, auch die Gründung des bis heute wichtigen deutsch-französischen Jugendwerks. Dass das Agieren der beiden Staatsmänner auch dem Wunsch der Bevölkerung beider Länder entsprach, zeigte die Deutschlandreise Charles de Gaulles 1962 und auch die Frankreichreise Konrad Adenauers im gleichen Jahr eindrucksvoll.    

Ohne Frage war der „Schuman-Plan“ vom 9. Mai 1950, benannt nach dem französischen Außenminister Robert Schuman, ein Wegbereiter für die von de Gaulles und Adenauer gewünschte Aussöhnung zwischen Frankreich und Deutschland, aber zugleich die „Geburtsstunde“ Europas, woran jährlich am 9. Mai im Rahmen des Europastages erinnert wird.          

Die Grundidee des Élysée-Vertrags weiterführend legten, so Ingo Espenschied am Ende der Veranstaltung, Helmut Schmidt und Valéry Giscard d’Estaing die Grundlagen für das Europäische Währungssystem und Helmut Kohl und François Mitterrand  die Grundlage für die Europäische Union und die Einführung des Euros als gemeinsamer Währung,  unterzeichneten am 22. Januar 2019 der französische Staatpräsident Emmanuel Macron und die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel den Vertrag von Aachen, in dem die vertrauensvolle und wertschätzende Zusammenarbeit von Frankreich und Deutschland, die für Europa so wichtig ist, erneut besiegelt wurde.

Wir bedanken uns herzlich bei Ingo Espenschied für die sehr gelungene Veranstaltung und vor allem bei der Konrad-Adenauer-Stiftung für die Ermöglichung dieser multimedialen Reise durch die deutsch-französische Geschichte.