Erdkunde

„Und der kleine Prinz warf einen Blick (…) auf den Planeten des Geographen. Er hatte noch nie einen so majestätischen Planeten gesehen.“
Antoine de Saint-Exupéry (1900-1944)

Erdkunde als (Schul-)Fach

Schon lange ist das Fach Erdkunde mehr als nur „Stadt-Land-Fluss“. Unumgänglich bleibt die Orientierungskompetenz dennoch. Vielmehr liegt die Faszination der Geographie aber in der Vielfalt des Systems „Erde“, denn die Welt will begriffen werden und dabei spielt das Fach Erdkunde alles andere als eine Nebenrolle. Durch seinen multiperspektivischen Ansatz leistet das Fach einen unverzichtbaren Beitrag zur Menschenbildung im humanistischen Sinne. Aus der Sensibilität für die Ästhetik und auch für die Gefährdung von Natur und Umwelt und dem Erfassen der Komplexität unserer Erde kann sich ein echtes Verantwortungsbewusstsein für unsere Umwelt und die Gesellschaft entwickeln. Es ist daher geradezu notwendig für das Verständnis unserer Welt, den lokalen, regionalen und globalen Herausforderungen aus geographischer Perspektive zu begegnen, um sich die verschiedenen Räume und Systeme erschließen und auf Basis dieses Verständnisses entsprechende Bewältigungsstrategien für diese Herausforderungen generieren zu können.
Fast täglich liest man in den Zeitungen oder hört in den Nachrichten von Verstädterung, Globalisierung, Migration, Klimawandel oder Nachhaltigkeit und Ressourcenknappheit. Alle diese Themen werden auch im Erdkundeunterricht behandelt. Zudem lassen sich fast alle Krisen und Konflikte auf unserem Planeten auch auf geographisch relevante Ursachen (z.B. den Klimawandel) zurückführen. Das Fach Erdkunde nimmt außerdem eine Brückenfunktion ein, da es zwischen den naturräumlichen Gegebenheiten und den gesellschaftlichen Perspektiven eines Raumes zu vermitteln versucht. Das Fach bietet somit eine Schnittstelle zwischen Natur und Mensch. Hierdurch wird es der in der Suche nach Antworten der Komplexität der Probleme gerecht und durch seine Aktualität ist auch ein Lebensweltbezug der Schüler:innen gewährleistet.
Erdkunde ist traditionell ein methoden- und medienintensives Fach, in dem Anschaulichkeit und Aktualität eine große Rolle spielen. Die Schüler:innen nutzen daher eine Vielzahl von traditionellen und elektronischen Medien. Die Verwendung von Globen, Karten, Luftbildern, Satellitenbildern und -filmen sowie digitaler Geomedien ist ein wesentlicher Bestandteil des Erdkundeunterrichts, unterstützt die individuelle und aktive Wissensaneignung und fördert selbstgesteuertes, kooperatives und kreatives Lernen. Diese Medien dienen außerdem dazu, sich Informationen zu beschaffen, zu interpretieren und kritisch zu bewerten, und fördern die Fähigkeit, Aufgaben und Problemstellungen selbstständig und lösungsorientiert zu bearbeiten. Im Umgang mit eben diesen Informationsmaterialien verbessern die Lernenden daher ihre Methodenkompetenz. Exkursionen, Projekte und Wettbewerbe ermöglichen den Einbezug von außerschulischer Wirklichkeit und eigenen Handlungserfahrungen, wie beispielsweise die Exkursion der Jahrgangsstufe 11 in die Vulkaneifel im Jahr 2021 sowie die regelmäßige Teilnahme am Geographie-Wettbewerb Diercke Wissen.

Erdkunde in der Sekundarstufe I

In der Sekundarstufe I werden nach und nach die Grundlagen für das geographische Verständnis in Bezug auf das Zusammenwirken zwischen Mensch, Umwelt und System erarbeitet, die in den Klassenstufen 5 und 6 stark an die Orientierungskompetenz geknüpft sind. Die Themenfelder in den Klassenstufen 5/6 reichen von der Orientierung in Rheinland-Pfalz und Deutschland, über die verschiedenen Sektoren Landwirtschaft, Rohstoffe und Produktion sowie Dienstleistungen. Aber auch stärker naturräumliche Themen wie Leben in Extremräumen sowie Tourismus und Erholungsräume finden ihren Platz im Unterrichtskontext, wodurch naturräumliche Aspekte stärker an gesellschaftliche Gesichtspunkte geknüpft werden. Die Schüler:innen profitieren gerade in der Orientierungsstufe von eigenen Erlebnissen, ob in ihrer Heimat oder im Urlaub, wodurch die Lernenden neben den allgemeingeographischen Kenntnissen gleichzeitig grundlegende regionalgeographische Kenntnisse über unterschiedliche Regionen, Staaten und Staatengruppen erhalten und gleichzeitig die Möglichkeit erhalten, im Spannungsfeld zwischen lokal und global ein reflektiertes Heimatbewusstsein, ein Bewusstsein als Europäer:innen sowie Weltoffenheit zu entwickeln.
In den Klassenstufen 7/8 prägen den Erdkundeunterricht Themen wie Geofaktoren als Lebensgrundlage, Endogene und exogene Kräfte verändern Räume, Grenzen der Raumnutzung, Welternährung zwischen Überfluss und Mangel und ein Thema, das in den letzten Jahren immer mehr an Bedeutung gewonnen hat: Nachhaltigkeit. Die Diversität des Faches wird in diesen beiden Schuljahren besonders deutlich, da neben den physisch-geographischen Themenbereichen, in denen es u.a. um die Entstehung von Flusstälern, Vulkanen sowie Naturkatastrophen und deren Auswirkungen, auch um den Menschen in dessen jeweiliger Umgebung geht, wodurch die Wechselwirkung zwischen den jeweiligen Gegebenheiten, sowohl in Bezug auf Natur und Umwelt als auch unter Berücksichtigung der Lebensbedingungen der Menschen in den Realräumen verstärkt zum Tragen kommt. Die beiden letztgenannten Themenbereiche stellen sodann die Möglichkeit einer direkten Identifikation der Schüler:innen mit dem Unterrichtsinhalt dar. Durch eigene Beispiele und den konkreten Lebensweltbezug der Lernenden profitiert der Unterricht und die Schüler:innen erwerben durch den Austausch neuen Input für ihr aktuelles und zukünftiges Handeln.
In den Klassenstufen 9 und 10 (am CGW wird Erdkunde nur in Klassenstufe 10 erteilt) liegt der Schwerpunkt auf den Themenfeldern Europa – Einheit und Vielfalt, Möglichkeiten der Raumplanung, Bevölkerungsentwicklung, Migration und Verstädterung, Länder und ihre Entwicklungsmöglichkeiten sowie Globalisierung. Mit steigender Jahrgangsstufe werden neben den Verflechtungen zwischen Natur und Mensch auch sozialkundliche und historische Aspekte in den Unterricht im Fach Erdkunde miteingebunden. Gerade mit Blick auf die Oberstufe und die Verbindung zwischen den gesellschaftswissenschaftlichen Fächern werden die Schüler:innen in der Klassenstufe 10 mit den jeweiligen Spezifika von regionalen, nationalen und globalen Herausforderungen konfrontiert, die es zu verstehen gilt und wodurch deutlich wird, dass für einige Problemfragen mehrere Lösungsmöglichkeiten denkbar sind, da die Schwerpunkte bei der Suche nach einer Lösung jeweils unterschiedlich gewählt werden können.

Die Schüler:innen erhalten so im Erdkundeunterricht der Sekundarstufe I die Möglichkeit, die Wechselwirkungen zwischen Mensch, Umwelt und System sowie die Natur und an ausgewählten Raumbeispielen zu erkennen, die daraus resultierenden Strukturen, Prozesse und Probleme zu verstehen und Problemlösungen zu durchdenken und eigene Ideen kreativ und lösungsorientiert zu erarbeiten und zu präsentieren.
Exkursionen führen die Schüler:innen z.B. in einen landwirtschaftlichen Betrieb oder zu einer Werksbesichtigung eines Produktionsbetriebs.
Erdkunde in der Sekundarstufe II (MSS)
Im Erdkundeunterricht der Sekundarstufe II liegt der Schwerpunkt des Faches auf der analytischen Betrachtung von Räumen, die stets aus den Perspektiven von Natur, Gesellschaft und Wirtschaft betrachtet werden müssen. Dabei wird ein sinnvoller Bezug zwischen allgemeiner und regionaler Geographie hergestellt, wobei die erworbenen Kenntnisse aus physisch-geographischer, wirtschaftsgeographischer und siedlungsgeographischer Perspektive miteinander verbunden werden müssen, um der Komplexität der Räume gerecht werden zu können. Auf dem Weg zum Abitur werden die bereits erworbenen Kenntnisse und Kompetenzen aus der Sekundarstufe I vertieft und durch die zunehmenden Analyse- und Verständniskonzepte der jeweiligen Raumbeispiele ergänzt, wodurch Wissen vertieft und schließlich miteinander verknüpft wird. Dabei will die Geographie die Schüler:innen dafür sensibilisieren, mit den Fragestellungen des Faches selbständig und reflektiert umgehen zu können und auf Grundlage ihres Wissens Urteile fällen zu können, um dadurch auch das eigene Handeln unter Berücksichtigung des globalverantwortlichen Denkens abwägen zu können.
Schrittweise sollen die Schüler:innen nachvollziehbar erfahren können, beispielsweise durch das Einnehmen verschiedener Perspektiven von z.B. unterschiedlicher Akteursgruppen, die in komplexen Debatten und Entscheidungen stets unterschiedliche Lösungsansätze liefern, die letztlich gegeneinander abgewogen werden wollen. Durch den Umgang mit modernen Medien in Kombination mit produktiven Gestaltungsmöglichkeiten (z.B. Referate unter Berücksichtigung von wissenschaftlichen Kriterien, Videoaufnahmen, Blogs, Schaubilder, etc.) und die Auseinandersetzung mit fachspezifischen Medien (Karikaturen, Zeitungsartikeln, Abbildungen und Fotografien aus dem Realraum, …) wird die Methodenkompetenz der Schüler:innen stets erweitert.

Erdkunde am CGW

Erdkunde findet in den Klassenstufen 5-8 jeweils zweistündig statt, wobei in Klassenstufe 6 Erdkunde lediglich epochal im ersten Schulhalbjahr unterrichtet wird. In Klassenstufe 9 wird kein Erdkundeunterricht erteilt, in Klassenstufe 10 ist Erdkunde erneut mit zwei Stunden in der Stundentafel zu finden.
Als Leistungskurs wird Erdkunde in den Jahrgängen 11-13 vierstündig unterrichtet, wodurch sich die Gelegenheit bietet, die fachspezifischen Aspekte tiefergehend zu thematisieren.
Erdkunde als Grundkurs findet im Grundfach Sozialkunde/Erdkunde zweistündig in der Jahrgangsstufe 12 statt. In den Jahrgangsstufen 11 und 13 wird Sozialkunde unterrichtet.
Seit dem Schuljahr 2018/2019 findet am Cusanus-Gymnasium eine gemeinsame mündliche Abiturprüfung im Grundfach Sozialkunde/Erdkunde statt, bei der Sozialkunde oder Erdkunde als Schwerpunkt gewählt werden kann.

Zur Fachschaft Erdkunde gehören am CGW (Stand 03/2022). Frau Schmitt, Frau Sterk, Herr Lambert, Herr Lang, Herr Reder (Leiter der Fachkonferenz) und Herr Sonnenberg. Als Referendar unterrichtet außerdem Herr Nisius am CGW.

Themenübersichten und Lehrpläne sind auf dem Bildungsserver des Landes Rheinland-Pfalz unter
http://lehrplaene.bildung-rp.de/lehrplaene-nach-faechern.html online abrufbar.