Wege der Leseförderung am Cusanus-Gymnasium Wittlich

ein Erfahrungsbericht aus der Schulpraxis

Nicht erst seit Pisa steht die Leseförderung im Blickpunkt unserer Arbeit am Cusanus-Gymnasium Wittlich. Ganz selbstverständlich finden seit Jahren in den 6. Klassen Vorlesewettbewerbe statt in den Fächern Deutsch, Englisch und Französisch. Auch Lesenächte werden regelmäßig zur Förderung der Lesefreude durchgeführt. Gerne wird in diesem Zusammenhang das jährliche Angebot der ARD-Radionacht von Lehrer und Lehrerinnen unserer Schule angenommen, das inhaltlich eine solche Lesenacht mitstrukturieren hilft.

Lesescouts
Ausstellungen zu literarischen Themen, auch Städteexkursionen, die literarisches Leben lebendig machen, sollen Lust aufs Lesen und Schmökern machen.
Immer wieder während des Schuljahres in unterschiedlichen Jahrgangsstufen besuchen Jugendbuchautoren und Jugendautorinnen wie etwa Simak Büchel, Astrid Frank, Stefan Gemmel, Monika Feth … unsere Schule im Rahmen von Lesereisen, die vom Pädagogischen Landesinstitut Rheinland-Pfalz oder auch vom Friedrich-Bödecker-Kreis angeboten werden. Diese Besuche lassen Literatur hautnah miterleben. Kann eine Autorin oder ein Autor die zuhörenden Schülerinnen und Schüler als ‚Lesevorbild’, im besten Fall auch als ‚Schreibvorbild’ überzeugen, dann können daraus wichtige Impulse fürs eigene Lesen und Schreiben erwachsen. Dass Schüler und Schülerinnen davon profitieren, zeigt auch die Teilnahme unserer Schüler an Schreib- und Leseworkshops; zur Zeit etwa in den Herbstferien, nachdem ein Schreibworkshop nach den Sommerferien zusammen mit dem Autor Manfred Theisen hierfür die Grundlage schuf.
Nicht zuletzt die vielen leseanimatorischen Aktivitäten unserer Lesescouts für die Schüler und Schülerinnen der Orientierungsstufe, die regelmäßige Teilnahme vieler Lehrerinnen und Lehrer am bundesweiten Vorlesetag im November jeden Jahres, an dem in vielen Fächern Texte von Lehrern vorgelesen werden, auch das so genannten Adventslesen im Dezember, bei dem in den Pausen bis zu den Weihnachtsferien von Lehrern Texte passend zur Jahreszeit vorgelesen werden, zudem der Einsatz unserer drei Lesetrollys, in denen Lesestoff für die Jahrgangsstufe 5/6, 7/8, 9/10 zusammengestellt ist und die in Vertretungsstunden in den Unterricht mitgenommen werden können, um gemeinsam eine Lesestunde zu gestalten: Dies alles schafft insgesamt eine Atmosphäre an unserer Schule, die das Lesen für unsere Schüler greifbar, auch sichtbar und positiv erlebbar macht.
Diese sowohl individuelle Lese- und Schreibförderung als auch die vielen Aktivitäten, die zum Lesen motivieren sollen, sprechen unserer Erfahrung nach überwiegend die Schüler und Schülerinnen an, die bereits gerne und häufig lesen, die schon ein positives Selbstkonzept
(„Ich bin ein guter Leser.“, “Ich bin eine gute Leserin.“) von sich aufgebaut haben.
Über diese leseanimatorischen Schwerpunkte hinaus steht somit in der Orientierungsstufe eine an den Erkenntnissen der neueren Leseforschung orientierte Leseförderung im Zentrum der Arbeit mit den Schülern und Schülerinnen.
Grundlage der Leseförderung ist die Erhebung der Leseleistung aller unserer Schüler und Schülerinnen zu Beginn und am Ende der 5. und 6. Klasse mit Hilfe des Salzburger Lese-Screenings (SLS-Lesetest). Das Ergebnis dieses in der Praxis einfach und zeitökonomisch einsetzbaren Lesetests, bei dem die Leseflüssigkeit jedes Schülers und jeder Schülerinnen mit Hilfe einfacher Sätze ermittelt wird, bildet die Grundlage für die individuelle Förderung mittels des so genannten Tandemlesens, das als Fördermaßnahme die Leseflüssigkeit verbessert und damit eine gute Grundlage schafft zur Verbesserung des Textverstehens. Zwei- oder dreimal die Woche in unterschiedlichem Fachunterricht wird hierbei mit Hilfe eines Readers, der kürzere Lesetexte enthält und für jedes Lesetandem im Klassenraum zur Verfügung steht, nach festen Regeln etwa fünfzehn Minuten lang im Tandem in der Rolle des „Lesetrainers“ oder des „Lesesportlers“ im Klassenverband geübt. Erstaunlicherweise ist die dabei entstehende Geräuschkulisse erträglich und für niemanden bisher belastend.
In einem Projekt, das während der Einführungswoche für die neuen Fünftklässler mit der Arbeit des Tandemlesens bekannt und vertraut macht, wird zudem spielerisch auf die Rolle des Lesetrainers und Lesesportlers vorbereitet, was zur besseren Annahme der jeweiligen Aufgabe führt. Nach einem Schuljahr „Tandemarbeit“ werden die Schüler nochmals mit Hilfe des SLS-Tests getestet und auf der Grundlage dieses Testergebnisses neue Tandempartner zusammengestellt. Unseren Ergebnissen zufolge hat sich bisher die Leseleistung nachweisbar bei fast allen Schülern im Laufe der Orientierungsstufe verbessert. Sicherlich nicht ausschließlich aufgrund des Tandemlesens, aber zu einem großen Teil aufgrund dieser Fördermaßnahme. Die regelmäßige anonymisierte Veröffentlichung dieser Ergebnisse in unseren Konferenzen erhöht zudem die Akzeptanz der Fördermaßnahme bei Eltern und Lehrern. 
Dieser Förderung wird das verpflichtende Arbeiten mit Lesestrategien im Unterricht zur Seite gestellt. Lesestrategien, etwa in Form des so genannten ‚reziproken Lesens’ eingeübt, bieten Wege an, wie mit einem Text erfolgreich gearbeitet werden kann. Sie sind wie Geländer, an denen sich die Schüler festhalten können. Nach der Einführung des „reziproken Lesen“ im Rahmen eines Projektes erinnert ein Lesezeichen, das jeder Schüler erhält, an die Schritte, die einen Text sicher erschließen helfen. 
Um das kontinuierliche Lesen zu fördern, aber auch einzufordern, arbeiten unsere Schüler und Schülerinnen mit der Internetform ‚Antolin’, die vielen Schülern auch schon von der Grundschularbeit vertraut ist: Jeder Schüler wird im Rahmen dieser Vorgabe dazu verpflichtet, von Ferien zu Ferien ein Buch bei Antolin zu quizen. Dabei spielt das jeweilige Quizergebnis keine Rolle. Die Arbeit mit „Antolin“ garantiert in dieser von uns vorgegebenen Form jedoch das kontinuierliche Lesen von Jugendbüchern, das im Unterricht nicht immer erreicht werden kann.
In regelmäßigen Abständen stattfindende Elternabende zum Thema „Lesen“ informieren unsere Eltern über neueste Ansätze der Leseforschung und machen sie zu Partnern, die zuhause unsere Maßnahmen, etwa die des Tandemlesens, unterstützen und weiterführen.
In der Kombination vom Lesemotivation und Leseförderung sehen wir einen für uns positiven und im Schulalltag durchführbaren Weg, der gute Ergebnisse zeigt und der die inner- und außerschulische Kernkompetenz schlechthin, das Lesen nämlich, für uns nachweisbar bei unseren Schülerinnen und Schülern nach vorne bringt.

Dr. Michaela Schüssler-Schwab

 

Übersicht  über das ‚Lesecurriculum’  Klasse 5/6

5. Klasse
‚reziprokes Lesen“ ( Lesezeichen ) Verbesserung des Textverstehens
Lautleseverfahren im Unterricht ( Lautlesetandems /Tandemlesen ) zur Verbesserung der Leseflüssigkeit ( indirekt: Verbesserung des Textverstehens)
[Deutschunterricht + Fachunterricht]

6. Klasse
Weiterführung “lautes Denken“ (ev.)
[Deutschunterricht+ Fachunterricht]

(Vor)lesen
Vertretungsstunden als Lesestunden mit den „Lesetrollys“
Initialisieren eines Vielleseverfahrens:
Grundlage: Arbeit mit Antolin: 1 Buch von Ferien zu Ferien verpflichtend lesen und quizen:
Steigerung der Leseleistung auf allen Prozessebenen
(Wort-, Satz-Identifikation; lokale/globale Zusammenhänge); besseres Selbstbild als Leser/in
Lesevorbilder:
„Lesen im Advent“/ bundesweiter Vorlesetag / Autorenlesungen / Poetry Slams/ Aktionen der Lesescouts / Lese-AG ..
[Schulkultur ]

Lesetipps
Ferienlesetipps (auf der Homepage)

Nutzung der Leseecke
Material: Vertretungsstunden mit der Bibliothek
(Bekanntmachen mit Medien unserer Bibliothek)

Tandemlesen

Ein so genannter Lesesportler und Lesetrainer üben zusammen das Lesen nach festen Regeln. Der Lesetrainer unterstützt das Lesen durch das Kennzeichnen der Lesezeile mit dem Finger oder einem Stift.