Das Fach Sozialkunde

Deutschland ist eine Demokratie. Dies ist für die meisten von uns eine Selbstverständlichkeit. Die Demokratie ist jedoch eine besondere Staatsform: Voraussetzung für ihr Funktionieren ist das Mitwirken ihrer Bürger. Das aber funktioniert nur, wenn man als verantwortungsvoller und mündiger Bürger um die Möglichkeiten weiß, die Demokratie aktiv mitzugestalten. Das Fach Sozialkunde trägt daher einerseits zum Aufbau eines Wertesystems bei, dass ethische Maßstäbe für die eigene Lebensführung setzen soll und sich auf Demokratie, Frieden und Freiheit als zentrale Prinzipien (hierbei insbesondere auf die Achtung der Menschenwürde sowie der Menschen- und Bürgerrechte) gründet und die Ablehnung extremistischer Grundhaltungen einschließt; andererseits werden zentrale Kompetenzen, die zur aktiven Partizipation am politischen Geschehen befähigen sollen, im Sozialkundeunterricht vermittelt.

Juniorwahl 2013

Sozialkunde in der Sekundarstufe I

In der Sekundarstufe I wird Sozialkunde am Cusanus-Gymnasium Wittlich in der neunten Klasse zwei-, in der zehnten Klasse einstündig pro Woche unterrichtet. Dem Bezug zur Lebenswelt der Schüler kommt insbesondere in der Sekundarstufe I eine besondere Bedeutung zu. Im Unterricht werden daher Beispiele aus Gesellschaft, Wirtschaft und Politik thematisiert, welche die Schüler unmittelbar oder mittelbar betreffen, vom lokalen, regionalen und nationalen Rahmen (Klasse 9) bis hin zur europäischen und internationalen Bühne (Klasse 10).
Zu Beginn von Klasse 9 steht die Frage im Vordergrund, wie Jugendliche Demokratie erleben und ihr Lebensumfeld in ihrer Schule und ihrer Gemeinde mitgestalten können. Am Beispiel der Gemeinde, der kleinsten politischen Einheit, setzen sie sich darüber hinaus erstmals mit der Komplexität demokratischer Entscheidungsprozesse auseinander. Es schließt sich eine Reihe zur Frage der Bedeutung der Familie und zur Vielfalt familiärer Lebensformen in der modernen Gesellschaft an, welches durch den Blick auf familienpolitische Maßnahmen an das Thema Demokratie/Partizipation rückgebunden wird.

In Zeiten der Diskussion um „Fake-News“ kommt dem dritten Lernfeld, einer kritischen Auseinandersetzung mit der Medienwelt, eine besondere Bedeutung zu: Welche Bedeutung haben die Medien im Leben der Jugendlichen? Werden sie umfassend und objektiv informiert? Woran kann man „Fake-News“ erkennen? Warum sind Medien im Sinne der „vierten Gewalt“ überlebenswichtig für die Demokratie?
Im Rahmen einer längeren Einheit zum Thema „Wirtschaft“ reflektieren die Schülerinnen und Schüler ihr eigenes Verhalten unter ökonomisch-ökologischen Gesichtspunkten, lernen grundlegende Merkmale der sozialen Marktwirtschaft in Deutschland kennen und verstehen zentrale ökonomische Prinzipien und Zusammenhänge innerhalb dieser (z.B. die Preisbildung, den Wirtschaftskreislauf oder die Notwendigkeit und den Ablauf von Tarifkonflikten).

Schließlich sollen sie am Ende der neunten Klasse die politische Ordnung der Bundesrepublik in all ihren Facetten verstehen können: Sie wissen, wie die repräsentative Demokratie funktioniert, warum die Gewaltenteilung ein unabdingbares Prinzip moderner Demokratien ist, verstehen, wie und wen man auf Bundesebene wählt, begreifen die Komplexität des Gesetzgebungsprozesses und wissen, über welche Machtressourcen der Kanzler/die Kanzlerin verfügt. Darüber hinaus setzen sie sich auch kritisch mit dem politischen System auseinander: Sind die Bürger in Deutschland nur Zuschauer oder Aktivbürger? Welche Gefahren birgt die große Koalition als Dauereinrichtung? Was bedeutet der zunehmende Populismus für unser politisches System?

Zu Beginn von Klasse 10 lernen die Jugendlichen dann das Rechtssystem kennen: Wie bestimmt das Recht unser Leben? Welche Regeln gelten für Jugendliche und warum gelten für sie überhaupt besondere Regeln? Bei einem obligatorischen Besuch des Wittlicher Amtsgerichts erleben die Schülerinnen und Schüler darüber hinaus hautnah, wie ein Straf- oder Zivilprozess abläuft.

Anschließend wird der nationale Rahmen verlassen. Im Lernfeld „Politik in der Europäischen Union“ reflektieren die Jugendlichen, welche Bedeutung die EU für sie im Alltag hat und verstehen, warum europäische Entscheidungsprozesse so komplex sind – hinterfragen aber auch, ob dem so sein muss. Wie in allen Themenbereichen kommt auch beim Thema EU die kritische Auseinandersetzung mit dem Thema nicht zu kurz: Hat Europa ein Demokratiedefizit? Hat Europa überhaupt eine Zukunft?
Die zehnte Klasse endet schließlich mit internationaler Politik: Wie friedlich ist die Welt, in der wir leben? Was bedroht den Frieden? Warum ist es so schwierig, internationale Konflikte friedlich zu regeln? In diesem Zusammenhang verstehen die Schülerinnen und Schüler die Wichtigkeit internationaler Organisationen wie der UNO, der NATO und der OSZE und analysieren einen internationalen Konflikt.

Im Rahmen des schuleigenen Berufswahlprojektes ist die Fachschaft Sozialkunde zudem in der 9. Klasse federführend. Neben der Durchführung von drei Projekttagen im Vorfeld des 14-tägigen Berufspraktikums und der Korrektur und Bewertung der Praktikumsmappen der Schülerinnen und Schüler wird auch im Wirtschaftsunterricht der Klasse 9 gezielt auf das Verständnis wichtiger Prinzipien der Berufswelt hingearbeitet.

Zudem werden in der Sekundarstufe I zahlreiche Exkursionen durchgeführt. In der zehnten Klasse sind im Rahmen der Unterrichtsreihe zum Rechtssystem, wie beschrieben, Besuche in Verhandlungen des Wittlicher Amtsgerichts obligatorisch; in Klasse 9 finden auch Besuche des Mainzer Landtags und in Zusammenarbeit mit dem Fach Geschichte Exkursionen zum Haus der Geschichte in Bonn statt.

Sozialkunde in der Mainzer Studienstufe (MSS)

Im Sozialkundeunterricht der Sekundarstufe II kommen neben Beispielen aus der eigenen Lebenswelt zunehmend auch abstrakteren Themen Bedeutung zu. Auf dem Weg zum Abitur werden die Kenntnisse und Kompetenzen aus Sekundarstufe I vertieft; neben dem weiteren Aufbau von Wissen um Politik, Wirtschaft und gesellschaftliches Zusammenleben werden zunehmend auch Verständnis- und Analysekonzepte zum selbstständigen, reflektierten Umgang mit politischen Fragestellungen und gesellschaftlichen Auseinandersetzungen vermittelt. Dies soll dazu führen, dass die Schülerinnen und Schüler vermehrt ihre eigene, begründete Meinung in gesellschaftlich und politisch relevanten Sach- und Streitfragen ausbilden können.

Jugendpressekonferenz zum Thema „Griechenland-Krise“

Schrittweise soll dabei ein handlungsorientierter Umgang mit Wissen aufgebaut werden, d.h. zu realem Handeln (z.B. Mitwirkung an Schülervertetung und Schülerzeitung, Initiierung von Projekten, Durchführung und Auswertung von Umfragen, kritische Kommentierung von Zeitungsartikeln, fundierte Auseinandersetzung mit Social-Media-Kommentarspalten, etc.) angeleitet werden.
Darüber hinaus geht es bei der Handlungsorientierung im Sozialkundeunterricht um simulatives Handeln (Rollenspiele, Plan- u. Entscheidungsspiele, Pro/Contra-Debatten, …), um in Zeiten, in denen immer mehr Menschen einfache Antworten auf komplexe Fragen suchen, die Notwendigkeit komplexer Debatten, Auseinandersetzungen und Entscheidungsprozesse zu verdeutlichen und zu verstehen.
Schließlich wird mit Blick Richtung Universität auch zu produktivem Gestalten (z.B. Referate nach wissenschaftlichen Standards, Reportagen, Blogs, Schaubilder, Ausstellungen, …) angeleitet.

Daneben erwerben die Jugendlichen auch eine Reihe weiterer fachspezifischer Kompetenzen, wie z.B. Methoden-/Medienkompetenz und Urteilskompetenz: Die Schülerinnen und Schüler lernen den kritischen Umgang mit Zeitungsartikeln, Karikaturen und Verfassungstexten, üben die Beschaffung von Informationen ein und analysieren und interpretieren Schaubilder und Statistiken. Sie lernen darüber hinaus, unter Zuhilfenahme welcher Beurteilungsmaßstäbe sie politische Probleme selbstständig kritisch, aber ausgewogen beurteilen können.

Betriebserkundung bei der Firma Benninghoven

Insbesondere im Leistungskurs finden vielfältige Exkursionen und Veranstaltungen statt: So besuchten Leistungskurse in der Vergangenheit z.B. den Bundestag in Berlin oder den europäischen Gerichtshof in Luxemburg. Neben Betriebserkundungen im Rahmen des ökonomischen Unterrichts in Stufe 11 findet auch einmal jährlich eine Jugendpressekonferenz in Zusammenarbeit mit der Volksbank zu aktuellen politischen Problemen statt.

Sozialkunde als Leistungskurs ist durchgängig (11-13) vierstündig pro Woche und bietet somit die Gelegenheit, die genannten Aspekte vertieft zu erarbeiten. Sozialkunde als Grundkurs findet im Grundfach Sozialkunde/Erdkunde zweistündig pro Woche in den Jahrgangsstufen 11 und 13 statt, in Jahrgangsstufe 12 wird Erdkunde unterrichtet.

Ab dem Schuljahr 2018/2019 findet am Cusanus-Gymnasium eine gemeinsame mündliche Abiturprüfung im Grundfach Sozialkunde/Erdkunde, d.h. eine Teilprüfung von jeweils 10 Minuten Sozialkunde und 10 Minuten Erdkunde innerhalb der gemeinsamen Prüfung statt.

Präsentation im Rahmen der MSS-Fächervorstellung 2017: Sozialkunde in der Sekundarstufe II

Themenübersichten und Lehrpläne sind auf dem Bildungsserver des Landes Rheinland-Pfalz unter http://lehrplaene.bildung-rp.de/lehrplaene-nach-faechern.html online abrufbar.

Sozialkunde am CGW wird derzeit (Stand 01/2017) von Frau Dr. Escher-Apsner, Frau Hartge, Frau Hohns, Herrn MacNelly, Herrn Roth, Herrn Schönecker und Frau Wilmes unterrichtet. Unser aktueller Referendar ist Herr Kinzig. Die Leitung der Fachkonferenz erfolgt durch Herrn Roth.