Latein

1. Kurzprofil des modernen Lateinunterrichts

„Latein willst du lernen? Das braucht doch kein Mensch mehr! Was will man denn mit einer Sprache, die keiner mehr spricht und die eh tot ist?“ Wer solche Skepsis gegenüber dem Fach Latein äußert, dem ist unklar, welchen Nutzen Schülerinnen und Schüler vom Lateinunterricht heutzutage haben. Sie lernen hier nicht etwa stur Formentabellen und Vokabeln auswendig. Vielmehr erhalten sie durch das Medium der lateinischen Sprache vielfältige und spannende Einblicke in Welt und Werte der griechisch-römischen Antike und setzen diese in Beziehung mit ihrer eigenen Lebenswelt.

lupa romana
Eine Szene aus der Gründungssage Roms: Die lupa Romana säugt die Zwillinge Romulus und Remus.

Langfristig lassen sich für den Lateinunterricht zwei wesentliche Ziele ableiten: Schülerinnen und Schüler lernen einerseits das Lateinische als ein sprachliches System kennen, das die Basis für die Entwicklung moderner Fremdsprachen wie Italienisch, Spanisch, Französisch und Englisch darstellt. Sie treten andererseits über die lateinische Sprache in den Dialog mit einem ihnen möglicherweise zunächst fremd anmutenden historischen Kontext, erfahren jedoch im Zuge ihrer Auseinandersetzung damit, dass bestimmte römische Werte in ihrer gegenwärtigen, modernen Welt tagtäglich zum Tragen kommen und auch in Zukunft Bestand haben werden. Kurzum: Im Lateinunterricht wird die griechisch-römische Antike lebendig. Schülerinnen und Schüler entwickeln durch das Übersetzen lateinischer Texte eine vergrößerte Kompetenz im Umgang mit der lateinischen Sprache und ihrer eigenen Muttersprache. Sie erkennen zudem, dass Latein eine wertvolle Brücke zur Antike darstellt und die Auseinandersetzung mit ihr entscheidende und für sie bedeutsame, „zeitlose“, Werte (z.B. Freiheit, Demokratie) vermittelt. Diese geben ihnen nicht nur Orientierung im Zuge ihres Entwicklungsprozesses, sondern ermöglichen ihnen auch, in Zeiten der Globalisierung Weltoffenheit zu entwicklen und ihr Handeln entsprechend auszurichten.

2. Inhalte des Lateinunterrichts

Am Cusanus-Gymnasium Wittlich beginnen die Schülerinnen und Schüler ihren Latein-Lehrgang in Klasse 6, wobei das Lateinische als zweite Fremdsprache ergänzend zur modernen Fremdsprache Englisch unterrichtet wird. Neben dem Spracherwerb, der spätestens in Klasse 10 abgeschlossen ist, stehen in der Sekundarstufe I folgende Themen im Zentrum:
zum Beispiel

  • das römische Schulwesen
  • Sagen aus der griechisch-römischen Mythologie
  • römische Götter und ihre Funktionen
  • In der Arena (Gladiatorenspiele, Wagenrennen)
  • das römische Militär
  • Römer und Germanen (Schlacht im Teutoburger Wald etc.)
  • berühmte Römer (Feldherren, Kaiser etc.)
  • berühmte Römerinnen

Eine antike Schulszene im sg. Neumagener Schulrelief
Wo in der Spracherwerbsphase mit Texten des Lehrwerks (am Cusanus-Gymnasium sind dies Pontes bzw. Salvete) gearbeitet wurde, folgt in der späten Sekundarstufe I bzw. ab der Sekundarstufe II (Oberstufe) die Lektüre authentischer, d.h. originaler lateinischer Literatur, für die entsprechende Lektürehefte angeschafft werden. Die Textabschnitte gilt es zunächst sprachlich zu durchdringen und angemessen in die Zielsprache Deutsch zu übersetzen. Hinzu tritt verstärkt der Vorgang des Interpretierens des Gelesenen, d.h. die Schülerinnen und Schüler richten ihren Blick zunehmend auf Textinhalte. Angestrebt wird, den Schülerinnen und Schülern ein breites Repertoire an Literatur verschiedener Genres bzw. Gattungen vor Augen zu führen, z.B.

  • Briefliteratur (Cicero, Plinius d. Jüngere, Seneca d. Jüngere)
  • Liebeslyrik (Ovid, Catull, Tibull)
  • Epigramm (Martial)
  • epische Dichtung (Vergil)
  • römische Geschichtsschreibung (Sallust, Caesar, Livius, Tacitus)
  • griechisch-römische Philosophie (Cicero, Seneca)
  • lateinische Literatur späterer Epochen (z.B. Erasmus von Rotterdam, Petrarca, Jacob Balde)

Ergänzend zu dem Textmaterial werden auch archäologische Funde und Kunstwerke (Reliefs, Statuen, Vasenmalerei, Bildzeugnisse verschiedener Epochen) in den Unterricht integriert, die der Vertiefung der Textinhalte oder zu deren Veranschaulichung dienen, aber auch die immense Wirkung lateinischer Literatur und des darin zutage tretenden Gedankengutes in Mittelalter und Neuzeit dokumentieren können.

3. Methodische Schwerpunkte.

Im Lateinunterricht lernen die Schülerinnen und Schüler, sich über bestimmte Wege, z.B. über eine Bildbeschreibung, das Benennen von Begriffen eines Wortfeldes oder durch die Beantwortung von Leitfragen, den Inhalt des zu lesenden Textes zunächst inhaltlich vorzuerschließen. Erst dann erfolgt der Übersetzungsvorgang, bei dem das Hauptaugenmerk auf den Satzbau, das verwendete Vokabular und sprachliche Phänomene gerichtet und genau analysiert wird. Dieses genaue Hinsehen fördert nachhaltig die auch in anderen Fächern notwendige Lesekompetenz. Um zunehmend selbständig übersetzen zu können, werden dabei bestimmte Satzglieder zunächst markiert, die Satzstruktur z.B. durch das Identifizieren von Haupt- und Nebensatz analysiert, und schließlich das fremde Vokabular z.B. durch Analogiebildung (Latein-Deutsch/Englisch/Französisch/Spanisch) erarbeitet, sodass die Schüler sich selbst einen Zugang zum Textinhalt verschaffen können. Ebenso werden die Schüler stets dazu angeregt, selbst Hypothesen, etwa zum Fortgang eines Textes oder zu dessen Entstehung, zu bilden bzw. auf ihr bereits vorhandenes Wissen (nicht nur) über die Antike zurückzugreifen. So können die Schülerinnen und Schüler die (nicht nur) für ein Studium notwendigen Techniken (soft skills) wissenschaftlichen Arbeitens im Lateinunterricht schrittweise erwerben.

Schüler bei der Herstellung von Mosaiken und Öllampen nach römischem Vorbild im Rahmen des Projektes „Archäologie praktisch“ (Projektwoche 2016, Bilder: C. Bläsius)

4. Latein auf der Stundentafel

Am Cusanus-Gymnasium Wittlich ist es möglich, Latein ab Klasse 6 als 2. verpflichtende Fremdsprache zu wählen. Die Verteilung der Stundenzahlen in den einzelnen Klassenstufen der Sekundarstufe I sei kurz aufgeführt:

Latein als 2. Fremdsprache:

Klasse 6: 4 Wochenstunden
Klasse 7: 4 Wochenstunden
Klasse 8: 3 Wochenstunden
Klasse 9: 3 Wochenstunden
Klasse 10: 3 Wochenstunden

Schüler der Jahrgangsstufe 8 haben die Möglichkeit, mit Beginn der 9. Klasse Latein als freiwillige 3. Fremdsprache zu belegen mit der Option, den Lehrgang auch in der Sekundarstufe II als Grundkurs fortzuführen. Es ergibt sich folgende Stundenverteilung:

Latein als 3. Fremdsprache:

Klasse 9: 3 Wochenstunden
Klasse 10: 3 Wochenstunden

In der Sekundarstufe II können sich Schüler dafür entscheiden, Latein entweder als Grund- oder Leistungsfach zu belegen. Dafür sieht die Stundentafel folgende Verteilung vor:

Grundfach: 3 Wochenstunden
Leistungsfach: 5 Wochenstunden

5. Exkursionen

Die unmittelbare Nachbarschaft zur Römerstadt Trier ermöglicht es, das Klassenzimmer dorthin zu verlagern, sodass für Schüler des Cusanus-Gymnasiums das reichhaltige römische Erbe „ihrer“ Region fassbar und erfahrbar wird. Exkursionen zum Amphitheater und der Thermenanlage in Trier, zu der nach römischem Vorbild rekonstruierten Villenanlage in Perl/Borg, zum restaurierten Mosaik nach Nennig oder auch zum Archäologiepark Belginum können Schülerinnen und Schülern ergänzend zum Unterrichtsangebot weitere Einblicke in die römische Vergangenheit und Kultur geben. Nicht nur sind diese Ausflüge aus regionaldidaktischer Sicht sinnvoll, sondern sie bieten Schülern auch ein besonderes Highlight und Erlebnis im Verlauf ihres Lateinlernens und zeigen ihnen, dass Latein weit mehr als ein spannendes Sprachfach ist.

6. Fachschaft Latein

Derzeit unterrichten Frau Echegaray-Robles (Fachkonferenzleitung), Herr Laschefski und Frau Kratzer Latein an unserer Schule. Im laufenden Ausbildungsjahrgang der Referendare unterstützt sie Herr Pütz.

Beiträge aus dem Fach Latein

Trier_Exkursion.jpg

Exkursion nach Trier

Am 18.12.2013 fuhren die beiden Latein-3-Kurse aus der 9a, 9b und 9c zusammen mit Frau Echegaray und Frau Müller nach Trier, um dort die…