Streitschlichtung am Cusanus-Gymnasium – schon gute Tradition

1. Was ist Streitschlichtung, was leistet sie?

Streitschlichtung, auch Mediation genannt, ist ein Verfahren, bei dem Konfliktparteien mithilfe eines Mediators ihren Streit selbst klären und den eventuellen Schaden einvernehmlich regulieren. Der Konfliktausgang hat für beide nur positive Auswirkungen; es gibt keinen Verlierer.
Damit dies gelingt, ist es wichtig, dass beide Parteien sich offen gegenübertreten und über ihre Befindlichkeiten austauschen. Gefühle, Ängste, Probleme und Bedürfnisse werden mitgeteilt und dadurch Verständnis für die Situation und das Handeln des Kontrahenten ermöglicht. Diese offene Aussprache wirkt entlastend und konfliktentschärfend. Ein anschließendes gemeinsames Suchen nach Lösungsmöglichen führt schließlich zur Vereinbarung über ein angemessenes Verhalten beider Parteien bei entsprechenden  Konfliktsituationen in der Zukunft. Über den gesamten Schlichtungsverlauf wird striktes Stillschweigen seitens der Schlichter vereinbart.

2. Wie hat alles angefangen?

Es begann im Schuljahr 1999/2000: An unserer Schule hatten sich sechs interessierte Schülerinnen und ein Schüler aus den 9. Klassen ein halbes Jahr lang zu Streitschlichtern ausbilden lassen. Frau Frentzen und ich hatten die Idee dazu auf einer Tagung in Kyllburg im Februar 1999 bekommen und uns durch viel Lektüre, Austausch untereinander und mit Kollegen aus anderen Schulen sowie Schulpsychologen selbst kundig gemacht. Auf einer Fachtagung in Ingelheim konnten wir dann das Verfahren selbst erlernen und erproben.
Die Jugendlichen waren von Anfang an mit Feuereifer bei der Sache; ihre Motivation bekamen sie im laufenden Alltag der Schule, in dem es, seien wir realistisch, ständig zu Konfliktsituationen kommt.
Zusätzlich zu unseren Treffen organisierten wir einen Besuch bei den Streitschlichtern in der Realschule Bernkastel-Kues, die bereits zwei Jahre vorher ihre Ausbildung gemacht hatten und nun schon aktiv an der Verbesserung des Schulklimas mitwirkten.

3. Wer lässt sich ausbilden und wie geschieht diese Ausbildung?

Seitdem haben acht Ausbildungen, jeweils mit Schülerinnen und Schülern aus den neunten Klassen, am Cusanus-Gymnasium stattgefunden; die letzte wurde im Frühjahr 2012 abgeschlossen. Insgesamt 68 Jugendliche (47 Mädchen und 21 Jungen) waren bzw. sind als Mediatoren in unserer Schule tätig. Die Ausbildung findet in etwa acht zwei- bis dreistündigen Blöcken am Nachmittag statt; in Ausnahmefällen gibt es auch einmal am Vormittag eine Doppelstunde unterrichtsfrei. Es wird also schon eine gewisse Selbstdisziplin und viel Engagement von den Jugendlichen erwartet. 
Die jeweils aktuellen Streitschlichter sind leicht zu finden: Ihr Foto hängt für alle gut sichtbar im Flur rechts neben der Tür zum Sekretariat sowie im Atrium links neben der Tür zum Streitschlichterraum (R. 23). Außerdem sind alle im Besitz eines Buttons, an dem man die jeweils „Diensthabenden” auch in den Pausen gut erkennen kann. Zudem sind alle Lehrerinnen und Lehrer bereit bei Bedarf einen Kontakt zu den Mediatoren herzustellen. Man kann auch einfach eine kurze Notiz in den Streitschlichter-Briefkasten rechts neben der Tür zum Sekretariat werfen und so um Hilfe bitten.

4. Wo, wann und wie findet Schlichtung statt?

Wenn Schülerinnen und Schüler Streit haben, den sie alleine nicht beheben können oder möchten, sind sie jederzeit eingeladen, sich an einen der Streitschlichter ihres Vertrauens zu wenden. Dieser wird dann in Absprache mit den jeweiligen Fachlehrern eine Schulstunde festsetzen, in der die Schlichtung vonstattengehen kann. Dazu gibt es einen speziellen Raum (R. 23), in dem Ruhe, Vertraulichkeit und Diskretion gewahrt sind. Jede Konfliktpartei kann sich von einem Schlichter begleiten lassen, es ist aber auch möglich, dass ein Mediator das Verfahren allein durchführt.
Die Schlichtung erfolgt nach festen Regeln, die den Kontrahenten zu Beginn erläutert werden und denen alle zustimmen müssen. Am Schluss steht eine Vereinbarung, die die Konfliktparteien selbst gefunden haben und an deren Umsetzung sie sich per schriftlichem Vertrag binden. Die Mediatoren vergewissern sich nach einiger Zeit bei ihnen noch einmal, ob der Konflikt beigelegt worden ist.

5. Ist Schlichtung auch außerhalb des Schulalltags möglich, wie „wirkt” sie allgemein?

Das Verfahren, das die Jugendlichen erlernen und dann in der Schule praktizieren, kann bei jedweder Art von Konflikt, auch außerhalb der Schule, angewendet werden. Es eignet sich selbstverständlich auch bei Differenzen zwischen Schülern und Lehrern oder der Schulleitung. Auch Eltern können bei Problemen im Bereich Schule gerne um eine Schlichtung anfragen. Dabei ist es nicht relevant, in welchem Alter die Mediatoren sind. Aus Erzählungen weiß ich, dass die Schlichtung auch in das Privatleben hineinwirkt, so etwa bei der Überwindung von Konflikten mit den eigenen Eltern oder Geschwistern.
Es wurde mir sogar mitgeteilt, dass die Bestätigung der Streitschlichtertätigkeit auf dem Zeugnis bei Bewerbungen ein recht bedeutendes Gewicht haben kann.
Allen, die unter einer Streitigkeit, einem Konflikt leiden, kann ich nur empfehlen, die Kompetenz der Schlichterinnen und Schlichter in Anspruch zu nehmen. Denn, wie eingangs bereits vermerkt: Es gibt bei einer Schlichtung keine Verlierer, nur Gewinner; nach Schuld wird nicht gefragt; die Begriffe „Opfer” und „Täter” spielen in der Schlichtung keine Rolle, und so wird es auch nie zu einer „Bestrafung” kommen, sondern im Mittelpunkt steht die einvernehmliche Lösung des Konfliktes, zu der beide Kontrahenten sich bereiterklären.

Ich möchte an dieser Stelle allen Schülerinnen und Schülern, die sich haben ausbilden lassen und im Sinne eines guten Schulklimas tätig waren und aktuell sind, von Herzen für dieses Engagement danken.
Auch möchte ich alle Schülerinnen und Schüler, die in einer Konfliktsituation stecken, ermuntern, die Hilfe unserer Streitschlichterinnen und Streitschlichter ohne Scheu vertrauensvoll in Anspruch zu nehmen.

Marianne Treis


 

Streitschlichtung am Cusanus-Gymnasium

Streitschlichter2016

Seit dem Jahr 2000 gibt es Streitschlichter an unserer Schule, die versuchen, den Schülern des Cusanus-Gymnasiums aus ihren Konflikten herauszuhelfen.

Die Streitschlichtung ist dazu da, Schülern eine Möglichkeit zu geben mit neutral bleibenden, älteren Schülern über ihren Streit zu sprechen und diesen zu klären.
Wichtig dabei ist, dass ebenfalls über Gefühle, Ängste und Probleme gesprochen wird. Daher müssen die Streitschlichter, die für gewöhnlich zusammen in einem Team schlichten, striktes Stillschweigen über das Schlichtungsgespräch bewahren.

Streitschlichter sind Schüler und Schülerinnen der oberen Mittelstufe (9./10. Klasse), die sich freiwillig dazu entscheiden, eine 16-20 stündige Ausbildung zu absolvieren. Wenn Schüler ein Gespräch mit den Streitschlichtern vereinbaren wollen, können sie dies jederzeit direkt mit den Streitschlichtern z.B. in einer der Pausen tun, eine kurze Notiz in den Streitschlichterbriefkasten neben dem Sekretariat werfen oder dies durch eine Lehrkraft arrangieren. Anschließend wird eine Unterrichtsstunde vereinbart, in der das Schlichtungsgespräch stattfinden wird.

Generell gilt für die Streitschlichtung, dass nicht nach Schuld gefragt wird. Daher spielen die Begriffe „Täter“ und „Opfer“ keine Rolle. Unser Ziel ist es, eine einvernehmliche Lösung zu finden, mit der alle Beteiligten einverstanden sind, weshalb es auch niemals zu einer Bestrafung oder Ähnlichem kommen wird.

In unserem Zwischenbericht „100 Tage im Amt“ erfahrt ihr mehr über unsere Tätigkeiten in der Schule, unsere bisherigen Erfahrungen und welche Ziele wir uns für dieses Schuljahr gesetzt haben.

Wir freuen wir uns, wenn Schüler und/oder Schülerinnen zu uns kommen und wir
ihnen helfen können.

Die Streitschlichter des Cusanus–Gymnasiums

Streitschlichterlogo

100 Tage im Amt – Ein erster Zwischenbericht der neuen Streitschlichter

Wir, die neuen Streitschlichter aus den Jahrgangsstufen 9 und 10, sind seit dem Schuljahr 2015/2016 im Amt. Bereits jetzt können wir auf viele erfolgreiche Tätigkeiten zurückblicken, bei denen wir hilfreiche Praxiserfahrung sammeln durften. Während unserer Ausbildung im letzten Schuljahr lernten wir viel über verschiedene Problemquellen und den richtigen Umgang mit Streitenden. Zu Beginn dieses Jahres war es uns besonders wichtig, das Gelernte in die Tat umzusetzen, aber vor Allem auch, uns den neuen Schülern des Cusanus-Gymnasiums als Ansprechpartner und Vertrauenspersonen vorzustellen. Dazu besuchten jeweils Zweierteams die neuen fünften Klassen in den ersten Schulwochen, um sie über unsere Arbeit aufzuklären. Dabei ist aufgefallen, dass einige Schüler Angst davor haben, bei einem Streit die Schuld zugewiesen zu bekommen. Wir möchten deshalb betonen, dass keineswegs die Schuldfrage bei einer Schlichtung im Mittelpunkt steht, sondern nur die Klärung des Konflikts. Die Streitschlichter dienen zudem lediglich als Hilfe, damit sich die Schüler vertragen. Wir verurteilen niemanden. Es war uns sehr wichtig, den jüngeren Schülern zu zeigen, an wen sie sich im Vertrauen wenden können, falls es Probleme geben sollte. Unsere Priorität ist das Stärken unserer Schulgemeinschaft.
Einige unserer Teams durften auch schon erste Erfahrungen mit Streitgesprächen sammeln, die erfolgreich geschlichtet werden konnten. Solche Ereignisse fördern unsere Motivation umso mehr.
Für die nächste Zeit nehmen wir uns vor, unsere Präsenz an der Schule zu steigern, da wir bemerkt haben, dass doch viele jüngere Schüler nichts von uns wissen. Es kommt also noch viel Arbeit auf uns zu, auf die wir uns aber sehr freuen.