Suchtpotential sozialer Medien

Im Rahmen des gleichnamigen Elternabends mit Ralph Dobberke (approbierter Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeut und ausgebildeter Suchttherapeut) als Referenten wurde zunächst Suchtverhalten an sich definiert. Den anwesenden Eltern wurde deutlich, dass Sucht zunächst dadurch entsteht, dass der Süchtige von seiner Sucht etwas Positives hat, weil Defizite zunächst kompensiert werden können (Schüchternheit, Nervosität oder Angespanntheit durch Lockerseinkönnen unter Alkoholeinfluss, Müdesein durch über längere Zeit Hellwachseinkönnen durch die Einnahme von Amphetaminen, unterschwelliges Aggressivsein in der eigenen Persönlichkeit durch das Ausleben von Aggressionsverhalten unter Alkoholeinfluss …). Im Suchtgedächtnis würden diese positiven Erfahrungen lebenslang abgespeichtert und immer wieder, selbst bei jahrelanger Abstinenz, bei einer Begegnung mit dem Suchtmittel in Erinnerung gerufen. Der beschriebene Mechanismus erschwere deshalb auch die lebenslange Abwehr gegen das suchtauslösenden Verhalten, gegen die suchtauslösende Substanz. Erst das Kappen aller sozialer Beziehungen oder die Androhung vonseiten Angehöriger, diesen Schritt zu vollziehen, auch die Erfahrung, in einer absoluten Sackgasse zu stecken, führe zum Wunsch des suchtabhängigen Menschen, sein Suchtverhalten zu verändern. Dieser Leidensdruck biete die Chance für eine erfolgreiche Therapie.

Exzessiver Gebrauch sozialer Medien könne wie alles menschliche Verhalten (Essen, Sport, Kaufen …) ein Suchtverhalten auslösen. Zunächst wachse die Zahl der Likes oder Follower auf Instagram, Whatsapp, Snapchat, was als soziale Bestätigung empfunden werde. Ein Gefühl von Zugehörigkeit wachse, eine Chance zur Selbstdarstellung werde ermöglicht, auch das Teilen eigener Interessen mit anderen: Diese vermeintlich positiven Aspekte kippten bei exzessivem Gebrauch meist ins Negative um: Zu viel Zeit wird in Foren verbracht, die reale Welt, etwa Schule und Freundschaften, werde vernachlässigt.
Im Anschluss an den Vortrag diskutierten die anwesenden Eltern, wie man zuhause den Konsum sozialer Medien einschränken könne. Während des Austauschs kristallisierten sich folgende Punkte als sinnvoll heraus:

  • klare Regeln zusammen mit den Kindern und Jugendlichen aushandeln und am besten in einem Vertrag festschreiben
  • als Eltern selbst ein gutes Vorbild sein und nicht permanent übers Handy verfügbar sein
  • gemeinsame Essenzeiten medienfrei halten
  • wegen des Datenmissbrauchs Regeln verabreden, wie Kinder/Jugendliche sich im Internet verhalten sollten (keine Schimpfworte benutzen, keine Beleidigungen aussprechen, niemanden zuspamen, keine Kettenbriefe weiterleiten …)
  • Fernsehen nicht im Kinderzimmer; abends das Handy bei jüngeren Kindern aus dem Kinderzimmer entfernen
  • sich als Eltern für die Aktivitäten in den sozialen Medien interessieren und mit den eigenen Kindern darüber ins Gespräch kommen

Das Skript des Vortrags wird von Herrn Dobberke gerne den anwesenden Eltern zur Verfügung gestellt.
Hier die Kontaktdaten des Referenten:

Ralph Dobbeke
Schulstr. 24
54538 Hontheim
Mail:  rc-dobberke@gmx.de

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