Elternabend “Depression bei Kindern und Jugendlichen” – eine Nachlese

Anne Klormann, Leiterin der Beratungsstelle für krebskranke Kinder (“Papillon”) und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin, referierte im Rahmen eines Elternabends zum Thema “Depression bei Kindern und Jugendlichen”. Zu Beginn der lehrreichen und gedanklich intensiven Veranstaltung konnte ein Film, in dem Depression mit einem “schwarzen Hund” vergleichen wird, verdeutlichen, was erste Erkennungszeichen für diese Krankheit sein könnten: u.a. Interessen- und Freudlosigkeit, Antrieblosigkeit, aber auch gesteigerte Gereiztheit oder aggressives Verhalten. Als somatische Symptome seien u.a. Konzentrationsprobleme, deutlicher Appetitverlust, unregelmäßiger Schlaf mit frühem Erwachen oder einem ausgeprägten ‘Morgentief’ Verhaltensweisen, die auf eine Depression hindeuten könnten.

Auch wenn Kinder in eine frühere Verhaltensstufe zurückfielen (z.B. wieder einnässten, obwohl schon längst dieser Entwicklungsphase entwachsen), könnte die Ursache eine Depression sein. Falls die genannte Symptomatik mindestens zwei Wochen anhalte und mindestens zwei Verhaltensmerkmale (vgl. Bild aus der Power Point) aufträten, spreche man von einer Depression. Erste depressive Störungen könnten zwischen dem 13.-15. Lebensjahr beginnen, Mädchen seien deutlich öfter betroffenen als Jungs. Statistisch hochgerechnet erkrankte (auch nur für eine kürzere Zeit) jeder fünfte Mensch an einer Depression oder einer ‘depressiven Verstimmung’.
Eine Vielfalt an Faktoren könnten für eine Depression ursächlich sein: genetische, biologische, soziale oder in der Persönlichkeit eines Menschen begründete Ursachen. Gerade eine über Jahre verinnerlichte und “erlernte Hilflosigkeit” (“Ich selbst bin an allem schuld.”) in Kombination mit Versagensängsten könne eine Depression hervorrufen.
Eltern sollten bei einer Ahnung, dass bei ihrem Kind evtl. eine Depression vorliegen könnte, auf jeden Fall schnell reagieren und Hilfe einfordern: etwa in Form einer Psycho- oder einer kognitiven Verhaltenstherapie. Therapieziele seien: Stimmungsstabilisierung, Reduzierung von Freudlosigkeit, Abbau dysfunktionaler Gedanken, Stressbewältigungs- und Problemlösetraining, Ressourcenaktivierung, um ein bei Menschen mit einer Depression verbreitetes Schwarz-Weiß-Denken, um ein ‘In-allem-eine-Katastrophe-sehen”, “Denkfallen” genannt, in der therapeutischen Behandlung aufzubrechen und zu entlarven.
Gerade Eltern von betroffenen Kindern und Jugendlichen spielten eine wichtige Rolle während des Therapieprozesses. Sie sollten durch Zuhören und Fragenstellen “an den Denkfallen” rütteln, einer Kritik vier mal ein Lob entgegensetzen, so Frau Klormann.
Es bestehe, so die Referentin am Ende der Veranstaltung, berechtigte Hoffnung, dass mit therapeutischer Unterstützung eine Depression “eingezäunt” werden könne.

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