Einblicke in die jüdische Geschichte Wittlichs

Die katholischen und evangelischen Schüler der Klassen 6B und 6C besuchten zusammen mit René Richtscheid vom Emil Frank Institut wichtige Orte jüdischer Geschichte in Wittlich.
Erstaunt waren die Schülerinnen und Schüler, dass schon vor circa 700 Jahren auf Wunsch des Trierer Bischofs Juden aus Frankreich nach Wittlich kamen, um hier zu leben, etwa ein jüdischer Kaufmann aus der Champagne. Seitdem lebten jüdische Mitbürger in Wittlich als Viehhändler, auch als erfolgreiche Geschäftsleute, wie etwa die Familie Kaufmann, die in der Tiergartenstraße 26 unweit der Stadtbücherei lebte. Hier wurde vor einigen Jahren bei Umbauaurbeiten eine Torarolle, die in der Nazizeit dort versteckt worden war, gefunden.
Pestwellen in Europa, vor denen auch Wittlich nicht verschont wurde, ungerechtfertigte Beschuldigungen wehrloser Minderheiten, der Juden zumeist, führten ein halbes Jahrhundert nach der Ansiedlung von Juden in Wittlich dazu, dass diese wieder ihre jetzige Heimat verlassen mussten. Erst die Französische Revolution erleichterte das Leben der Juden in Wittlich, die nun unbehelligt in Wittlich als angesehene Mitbürger lebten und arbeiteten, was bis 1933 in etwa so blieb. Wittlich hatte nach Trier die zweitgrößte jüdische Gemeinde in der Region, was auch heute noch an der prächtigen Außenfassade und Inneneinrichtung der Synagoge zu erkennen ist.
Am Marktplatz verwies Herr Richtscheid auf Häuser ehemaliger jüdischer Familien, z.B. das Bekleidungsgeschäft von Emil Frank oder das Schuhgeschäft der Familie Wolff. Nach der Machtergreifung der NSDAP veränderte sich das Leben der Wittlicher Juden lebensbedrohlich.
Auf von Herrn Richtscheid mitgebrachten historischen Fotografien, auf denen diese heute noch existierenden Häuser rund um den Markplatz zu sehen waren, konnten die Schülerinnen und Schüler sehen, wie ausgegrenzt und diskriminiert die jüdischen Wittlicher wurden. Noel, eine Schülerin aus der 6B, las die ergreifende Lebensgeschichte eines Mädchens vor, das diese Ereignisse schmerzlich miterleben musste.
Der Rundgang endete an der Wittlicher Synagoge, die viele Schülerinnen und Schüler als Konzertraum kennen. Auch hier konnten die Informationen zum Schicksal der ehemaligen Wittlicher Synagoge das Interesse der Schülerinnen und Schüler wecken, besonders der ehemalige Toraschrein links neben dem Eingang und seine Geschichte. Auch die gefundene Torarolle, im Eingangsbereich der Wittlicher Synagoge in einer Vitrine ausgestellt, konnte bewundert werden.

Herrn Richtscheid herzlichen Dank für die gelungene Exkursion.

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